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hgr_projektDas nächste Projektgruppentreffen findet  vom
24.09.2010 - 26.09.2010
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Oskar Schindler: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“

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Oskar Schindler wurde am 28. April 1908 als Sohn des Landmaschinenfabrikanten Hans Schindler und dessen Frau Franziska in Zwittau in Mähren (Österreich-Ungarn) geboren. Nachdem er anfangs ein Unterstützer des Nationalsozialismus war und vom Krieg gegen andere Völker geschäftlich profitierte, rettete er während des Zweiten Weltkrieges unter Einsatz seines gesamten Vermögens und seines Lebens 1281 Juden vor dem Tod.

Oskar_Schindler

Für Schindler, der sich selbst einmal als „der geborene Kapitalist“ bezeichnet hat, war der Ausbruch des Krieges eine hervorragende Möglichkeit, ein Vermögen zu machen und seinen Vater wirtschaftlich zu übertrumpfen. Dies war ein persönlicher Ehrgeiz Schindlers, schon als junger Erwachsener wollte er unbedingt einmal einen Betrieb aufbauen, der größer ist als es der seines Vaters war, in dem mehr Menschen beschäftigt sind und der vor allem mehr Profit abwirft. Durch den Krieg und den damit verbundenen ungeheuren Bedarf an Kriegsgeräten sah er seine Chance gekommen. Und so zog er unmittelbar nach der Besetzung Polens 1939 nach Krakau, kaufte dort zu einem Spottpreis eine Emaillewarenfabrik (Fabrik zur Herstellung von Feldküchengeräten für Soldaten), die vor dem Überfall Deutschlands auf Polen jüdisches Eigentum gewesen und danach „arisiert“, also zwangsenteignet worden war. Als Arbeitskräfte setzte er Juden ein, die für etwa 7,50 Mark pro Tag von der SS an kriegswichtige Betriebe „vermietet“ wurden. Das Geld floss selbstverständlich an die SS, die jüdischen Arbeiter bekamen überhaupt nichts. Schindler profitierte also enorm von der rassistischen und menschenverachtenden Politik der Nationalsozialisten. Ihm machte es nichts aus, jüdische Zwangsarbeiter einzusetzen. Trotzdem war er niemals Antisemit, wahrscheinlich auch niemals überzeugter Nationalsozialist, obwohl er seit 1939 Parteimitglied war. Das einzige, was für ihn zählte, war sein persönlicher Gewinn, und jüdische Arbeiter waren nun einmal am Billigsten.

Der „geborene Kapitalist“ Schindler war auch ein außerordentlicher Lebemann, der eine Vorliebe für alles Luxuriöse und Extravagante hatte, besonders für teure Weine und andere Alkoholika, guten Tabak und delikates Essen sowie für exklusive Feiern mit anderen Industriellen und hochrangigen Nationalsozialisten. Auch seine Kleidung war stets vom Feinsten. Außerdem besaß Schindler, wie er selbst sagte, eine „Schwäche für Frauen“. So hatte er während seiner Zeit in Krakau etliche Geliebte, während seine Frau, wohlwissend über die Untreue ihres Mannes, im fernen Ostrau in Mähren blieb und nur selten zu Besuch kam.

Sein großes Ziel, seinen Vater geschäftlich zu übertrumpfen, hatte Schindler schnell erreicht. Nach kurzer Zeit beschäftigte er mehrere hundert Arbeiter in seiner Fabrik und erwirtschaftete riesige Gewinne. So spiegelt Schindler während seiner Anfangszeit in Krakau scheinbar das Idealbild des gewissenlosen Opportunisten wider, der ohne jegliche moralische Bedenken  alles tut, um seinen persönlichen Reichtum zu vergrößern, der ohne Bedenken Zwangsarbeiter einsetzt, die rund um die Uhr für ihn arbeiten, während er einen widerlich protzigen Lebensstil betreibt.

 Doch ganz so war es nicht.

 Von Anfang an war Schindlers Fabrik bei den Juden Krakaus ein sehr beliebter Arbeitsplatz. Denn hier wurden die Arbeiter nicht geschlagen, es gab Extrarationen an Nahrungsmitteln, und die Menschen waren an diesem Ort nicht dem antisemitischem Hass ausgesetzt, der ihnen zu dieser Zeit sonst überall entgegenschlug. Wenn Schindler durch seine Fabrik ging, um sich die Arbeit anzuschauen, wenn er seine Leute, von denen er viele beim Namen kannte, grüßte, ein paar nette Worte mit ihnen wechselte, so gab das den Juden das Gefühl, noch Menschen zu sein. Die Fabrik war für sie geradezu ein Ort der Geborgenheit, eine Zuflucht, wo man vor den Schikanierungen  der Deutschen und auch der der Polen sicher war.

Schindler hatte aus geschäftlichen Gründen Beziehungen zu hochrangigen Nationalsozialisten und SS-Offizieren. Zu etlichen pflegte er auch scheinbar freundschaftliche Verhältnisse, denn obwohl er diese Leute duzte, ihnen ständig wertvolle Geschenke machte, für die er ein Vermögen auf dem Schwarzmarkt ausgab, so war er doch von ihrer Brutalität angewidert und verachtete sie insgeheim. Aber es war nun mal unmöglich, ohne die richtigen Kontakte und ohne Bestechungen im besetzten Polen Geschäfte zu machen. Auf die Frage, ob es denn in der SS bestechliche Leute gäbe, antwortete Schindler einmal, er kenne niemanden, der es nicht sei.

Durch seine Kontakte zur deutschen Verwaltung und zur SS erfuhr Schindler auch ziemlich bald von den Plänen zur „Endlösung der Judenfrage“, von der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“. Entsetzt von dem Vorhaben der Nazis, fasste er den Entschluss, mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln so viele Juden wie irgend möglich vor der Ermordung zu retten. Auch war er überzeugt, dass Nazideutschland im Krieg gegen England, Amerika und Russland in absehbarer Zeit am Ende sein musste.

Oskar_Schindler2So erreichte es Schindler zunächst, dass seine Arbeiter das Konzentrationslager Plaszow bei Krakau, von wo aus sie jeden Morgen zu seiner Fabrik laufen mussten, verlassen und in seine Fabrik ziehen duften, wo er Baracken für sie errichtete. So konnte er die Menschen vor den entsetzlichen Grausamkeiten des Lageralltags schützen, denn der Kommandant von Plaszow, Amon Göth (der Schlächter von Krakau), war ein besonders teuflischer Nazimörder. Für ihn war es eine Obsession, sich ein „Reich“ zu errichten, in dem er über das Schicksal seiner „Untertanen“ absolut herrschen und über Leben und Tod entscheiden konnte. Sein „Reich“ war das Lager, seine „Untertanen“ die Häftlinge. So hatte Göth es sich zur Gewohnheit gemacht, morgens nach dem Aufstehen von dem Balkon seiner Villa aus, die auf einem Hügel nahe am KZ lag, mit seinem Scharfschützengewehr wahllos auf Häftlinge zu schießen. Oft ritt er auch auf seinem Schimmel über das Gelände, um die Arbeit der Häftlinge zu „inspizieren“ und „Verbrechen zu bestrafen“. Als „Verbrechen“ betrachtete Göth Dinge wie Essen oder Rauchen während der Arbeit oder der Ruhepausen. Einmal erschoss er eine Frau von hinten mit der Begründung, sie habe gelacht. So ist es verständlich, dass der Umzug in Schindlers Fabrik, wo es vergleichsweise großzügige Essensrationen gab, Ruhepausen, wo nicht gefoltert, geschlagen und gemordet wurde, wo ein Häftling als Mensch betrachtet wurde, für jeden eine Befreiung war. Schindler beschäftigte übrigens nicht nur ausgebildete Arbeiter, die für die Aufgaben in seiner Fabrik ausgebildet waren, sondern auch viele Frauen und Kinder. Dies war für ihn nicht wirtschaftlich, auch wenn man diese Leute relativ schnell einarbeiten konnte, aber vor allem wollte er diesen Menschen einen Zufluchtsort bieten, sie retten.

Je weiter der Krieg voranschritt, desto dringender brauchte das Reich militärisches Gerät, und so musste Schindler seine Produktion von Emaillewaren auf Patronen- und Granathülsen umstellen. Dabei achtete er jedoch genau darauf, dass keine einzige Hülse, die seine Fabrik verließ, verwendbar war. Oft kaufte er auch einfach Patronen auf dem Schwarzmarkt und gab sie als seine eigenen aus, um nicht in Verdacht zu geraten. Bestechen, manipulieren, tricksen, „Sand ins Getriebe streuen“, irgendwie Widerstand gegen das System leisten: all das lag in Schindlers Natur, es bereitete ihm geradezu Freude. Als der Krieg immer weiter zu Ungunsten Deutschlands voranschritt und Krakau kurz vor der  Befreiung durch die Rote Armee stand, erfuhr Schindler, dass alle Juden, die sich noch in Plaszow und Umgebung befanden, nach Auschwitz zur Vernichtung deportiert werden sollten. Damit konnte und wollte er sich nicht abfinden und beschloss, seine ganze Produktion nach Mähren, also in ein noch nicht bedrohtes Gebiet zu verlegen, um von da aus seine Arbeiter bis zur endgültigen Niederlage Deutschlands in Sicherheit zu bringen. Das war nicht nur unendlich aufwendig und teuer, sondern auch hochgefährlich, da es ja offensichtlich unwirtschaftlich war und somit auf der Hand lag, dass Schindler in erster Linie Juden vor der Vernichtung bewahren wollte. Damit seine wahren Absichten nicht herauskamen, musste er Unsummen an Bestechungsgeldern zahlen.

So entstand „Schindlers Liste“: eine Liste mit den 1281 Namen jener Menschen, die nicht nach Auschwitz kommen sollten und somit vor dem Tod gerettet wurden. Schindler verlor damit praktisch sein ganzes Vermögen, denn er musste jeden einzelnen Arbeiter kaufen und unzählige Funktionäre bestechen, außerdem riskierte er auch sein Leben. Zwar gab er zur Begründung stets an, er wolle seine eingearbeiteten Leute behalten, da er somit am besten produzieren könne. Wäre jedoch seine wahre Absicht ans Licht gekommen, wäre er mit Sicherheit zum Tode verurteilt worden.

Am Ende des Krieges stand Oskar Schindler als armer Mann da: Sein gesamtes Vermögen hatte er ausgegeben, um Menschen zu retten. Nicht ein Pfennig war ihm geblieben. Seine  Arbeiter, von denen mittlerweile etliche seine Freunde geworden und die ihm für ihre Rettung unendlich dankbar waren, schenkten ihm als Dank einen aus Zahngold geschmiedeten Ring mit der Gravur

 „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“.

Man kann viel über Schindler sagen: Er war sicherlich ein Materialist, ein Kapitalist, ein Ehebrecher, und man kann auch sagen, dass es im Prinzip die Pflicht eines jedes Menschen ist, andere Menschen vor dem Tod zu retten, wenn es nur irgendwie möglich ist. Trotzdem ist seine Tat so wie er selbst: außergewöhnlich. Denn leider war er einer der wenigen, die den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zur Seite standen, der sein Leben für sie einsetzte. Er hat seine menschliche Pflicht erfüllt, er hat Widerstand gegen das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte geleistet, Millionen andere dagegen standen der Ermordung der Juden gleichgültig und tatenlos gegenüber.

Unvergessen bleiben das Buch „Schindlers Liste“ von Thomas Keneally sowie der gleichnamige Film von Steven Spielberg, der 1993 neun Oscars erhielt.

 
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